Die Stunde null in Springfield

chronik1Der US-Sportlehrer James Naismith erhält den Auftrag, über eine neue Hallensportart nachzudenken. Gesucht wurde eine sinnvolle sportliche Betätigung für pubertierende Jugendliche. Den beliebten Football in die Halle zu transferieren – das war viel zu risikoreich.

Sein Vorgesetzter, Luther Halsey Gulick, hatte eine klare Ansage gemacht: „Es muss ein Spiel sein, das gewisse Fähigkeiten verlangt, Fairness benötigt und das Training des gesamten Körpers fördert. Ferner sollte das Spiel ohne große Rohheit oder die Gefährdung von Spielern oder Einrichtung betrieben werden können.“ Die Geburtsstunde des Basketballs.

„There must be a ball“ – Die Geburtsstunde des Basketballs

Der Winter im US-Bundesstaat Massachusetts kann hart sein. Vor gut zwei Monaten noch sprach man von einer Schneemenge biblischen Ausmaßes, von der schneereichsten Woche seit 1891. Just im Schneewinter 1891, in dem auch der Ort Springfield im Dezember unter einer dichten weißen Decke lag, bekam Sportlehrer James Naismith den Auftrag, über eine neue Hallensportart nachzudenken. Naismith war ein kluger Mann. Das Gerangel am Boden störte ihn, er wollte sein Spiel sozusagen in eine höhere Ebene verlegen. Dazu ließ er auf jeder Hallenseite einen Korb anbringen, den man nur mit einem kräftigen Sprung erreichen konnte. Der Hausmeister der YMCA-Sportschule von Springfield schleppte dafür Pfirsichkörbe heran – Massachusetts schließlich ist nicht nur bekannt für seinen Schnee, sondern auch für seinen prächtigen Obstanbau, für Äpfel, Himbeeren und Pfirsiche. Naismith nannte das Spiel nach seiner wichtigsten Zutat: Basketball, also Korbball. Die Körbe wurden in einer Höhe von zehn Fuß, umgerechnet 3,05 Metern, befestigt.

Naismith gilt als Erfinder des Basketballs. In Springfield steht heute die Ruhmeshalle des Basketballs. Sie trägt seinen Namen: Naismith Memorial Basketball Hall of Fame. Was der Sportlehrer damals nicht wissen konnte: Die Wurzeln des Spiels mit Ball und Korb oder Ring reichen weit zurück, vermutlich an die 3000 Jahre. Die Olmeken – ihnen haben wir auch die Schokolade zu verdanken -spielten bereits mit einem Ball, genauer: mit dem Kautschukball. Von den Mayas und Azteken ist Ähnliches bekannt.

Naismith indes war offenbar ein klarer Denker. Für sein neues Basketball-Spiel hatte er die Regeln schnell zusammengefasst, es waren 13. An erster Stelle stand der ebenso schlichte wie klassische Satz: „There must be a ball.“ Das erste Basketballspiel der Geschichte nach den Naismith-Regeln findet am 21. Dezember 1891 im Springfield College statt, es endet mit dem basketball-unüblichen Ergebnis von 1:0. Zwei Mannschaften von je neun Spielern treten zweimal 15 Minuten gegeneinander an. Viele der Regeln haben sich mittlerweile geändert, vor allem die, nach der man beim Basketball nicht mit dem Ball laufen darf. Geblieben aber ist zentimetergenau und weltweit die Höhe des Korbes: 3,05 Meter. Naismith selbst hatte sich darüber nicht viele Gedanken gemacht: Es war halt die Höhe, auf der die Pfirsichkörbe an der Empore der Sporthalle von Springfield angebracht werden konnten.

Das Spiel unter und mit den Körben verbreitete sich explosionsartig, schon 1892 waren die Frauen dabei. Deutschland hinkte hinterher. Als der Basketball 1936 in Berlin olympisch wurde, bestaunte man ihn hierzulande noch als Kuriosität. James Naismith war Ehrengast und sprach vom „glücklichsten Augenblick meines Lebens“. Nach dem Krieg waren es amerikanische Soldaten, die dem Basketball in Deutschland auf die Sprüngen halfen, vor allem in Universitätsstädten wurde er heimisch.

Der Basketball-Erfinder starb drei Jahre nach Berlin in Lawrence im Bundesstaat Kansas; an der Universität von Kansas war er lange Sportlehrer gewesen. In Berlin hatte er „seinem“ Sport eine große Zukunft vorausgesagt. Heute spielen, so die offizielle Angabe des Weltbasketballverbands FIBA, 450 Millionen Menschen Basketball.

1891