Die Baskets beziehen eine neue Heimat

Obwohl die Fans einen Umzug in den „Eiskeller“ Hardtberghalle (Kapazität: 3000 Zuschauer) für „größenwahnsinnig“ halten, wagen die Baskets den Schritt. Am Ende wird die Halle zu klein sein. 

Bonn im Rausch: Baskets sind Vize-Meister

Bonn liegt in der Saison 1996/97 vor dem letzten Spiel – ausgerechnet beim Tabellenersten Berlin – auf Rang neun. In der letzten Spielminute steht es 70:68 für Bonn, aber Berlin hat den letzten Angriff – bis Taylor Sasa Obradovic (heute Headcoach von Alba Berlin) Sekunden vor dem Abpfiff den Ball stibitzt. Ein Steal mit Folgen: Bonn springt in der Endtabelle auf Rang sieben, ist in den Playoffs und muss nun – ausgerechnet – gegen den Tabellenzweiten Rhöndorf unter Cheftrainer Tom Schneeman ran. Gespielt wird noch nach dem Best-of-Seven-Modus. Wer zuerst vier Spiele gewinnt, ist im Halbfinale. Am 6. April 1997 steht es 3:2 (60:63, 75:69, 77:85, 80:76, 93:76) für Bonn. In der Schlussminute des 6. Spiels wechselt die Führung hin und her, 4100 Zuschauer in der Hardtberghalle sind außer Rand und Band, als Jan Rohdewald 1,1 Sekunden vor dem Ende mit seinem sechsten Dreier zum 85:83 den Hardtberg beben lässt.

Bald ist der Ticket-Notstand ein handfestes Problem. Nachdem die selbstbewussten Baskets auch Bamberg mit 3:0 aus den Playoffs fegen, stehen sie als erster Aufsteiger in der deutschen Basketballgeschichte im Finale – und die Fans vor Vorverkaufsstellen. Nur ganz Geduldige, Online-Shops gibt es noch nicht, ergattern ein Ticket, die Warteschlange reicht von einem Sportgeschäft 800 Meter lang bis zum Friedensplatz.

Im Finale gegen Alba Berlin endet das Bonner Basketballmärchen. Doch zum ersten Endspiel Anfang Mai 1997 fährt ein vom Fanclub „Defense – die Fans“ organisierter Sonderzug. Eine 88:94-Niederlage in der Hauptstadt ist ein achtbares Ergebnis, die 79:109-Heimschlappe (2. Finale) nicht. Es steht 0:2. Trotzdem fährt ein noch längerer zweiter zweiter Sonderzug nach Berlin. Die Rückfahrt gerät zum Triumph-Zug: Taylors legendärer „Wurf vom Parkplatz“ lässt die Baskets 78:77 gewinnen. Dann ist die Saison nach dem 4. Finale (98:81 für Berlin in der Hardtberghalle) beendet. Die Fans bejubeln enthusiastisch „Silber“, während Berlins erster Titel eineWachablösung markiert: Erstmals seit 1989 heißt der Deutsche Meister nicht mehr Bayer 04 Leverkusen. Nebenbei: In seinem letzten von vielen Bonner Spielerjahren gewinnt der 40-jährige Kramer den Vizetitel.

Für Bonn hagelt es nach der sensationellen Spielzeit Ehrungen: Socé wird Trainer des Jahres 1997, der 40-jährige Center Kramer erhält den BBL-Ehrenoskar, die Mannschaft wird zum „Überraschungsteam 1997“ erklärt. Fast vergessen: In der Bonner Hardtberghalle wurde auch das Allstar-Game 1996 ausgetragen – als „BBL-Dankeschön“ für die Fortschritte in der Basketballregion Bonn/Bad Honnef. Zum wertvollsten Spieler (MVP) des Allstar-Games wird der Bonner Kelecevic gewählt.

1996