Das letzte Derby und die Geschichte einer Rivalität


Die Schlachten zwischen Bonn und dem Adenauer-Dorf Rhöndorf sind legendär und für Fans unvergesslich. Inzwischen sind aus den Erzrivalen Partner geworden.

Für Baskets- und Rhöndorf-Fans, die schon länger dabei sind, ist der 6. April 1997 so etwas wie für Raumfahrt-Enthusiasten das Mondlandungs-Datum: Da schlug der Bundesliga-Aufsteiger Telekom Baskets Bonn im 6. Playoff-Viertelfinale den Erzrivalen Tatami Rhöndorf in einem fantastischen Match mit 85:83. Zwei Bundesligisten in einem Basketballkreis, das gab es damals nur in Bonn und war „wie 1860 München gegen den FC Bayern im Fußball“, erinnert sich der damalige Kreisvorsitzende und -gründer Detlef Rickert. Als Sponsor beider Teams war er wohl der einzige damals, der immer auf der Gewinnerseite stand.

„Das Match 1997 war eines der besten Basketballspiele, die ich je erlebt habe, obwohl ich nicht gespielt hatte“, erinnert sich Michael Wichterich, damals im RTV-Trikot. „Keiner wollte verlieren, jedes Team schoss in den Schlussminuten die dicken Dinger rein. Wenn man dann verliert, ist es so, als werde einem das Herz herausgerissen. Aber das sind auch solche Spiele, für die man als Basketballer lebt.“ Schon als man damals die Hardtberghalle betreten habe, „war die Luft wie elektrisiert“, so Wichterich. „An ein Plakat kann ich mich genau erinnern. Da stand drauf »Schneemann – heute ist in Bonn Tauwetter«.“ Tom Schneeman hieß damals Rhöndorfs Trainer, Bruno Socé der der Baskets.

Der 6. April 1997 war auch so etwas wie der vorläufige Gipfel einer sich über Jahrzehnte aufgebauten Lokalrivalität. 1970 war der Basketballkreis gerade gegründet worden: „Das erste Spiel, ein Freundschaftsmatch, war das zwischen Rhöndorfer TV und Godesberger TV“, sagt Rickert. 27 Jahre später schaut ganz Deutschland live im Fernsehen beim Lokalderby Bonn-Rhöndorf auf Bundesliga-Niveau zu. 1997 sind die Hallen beiderseits des Rheins zu klein, die Emotionen riesengroß und die Fans beider Lager grenzenlos kreativ, um an Tickets zu kommen. Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich erinnert sich in der Saison-Illustrierten: „Der Kampf um Eintrittskarten produzierte eine Anekdote nach der anderen. Bonner betrogen Rhöndorfer, Rhöndorfer Bonner. Einen Online-Ticket-Shop gab es nicht, nur Vorverkaufsstellen, also Tickets gegen Bares.“ Viele hatten beim Ticketkauf den Fanschal des Gegners um den Hals.

Das letzte Derby

Zwei Jahre später das nächste Lokalderby-Drama, diesmal noch eine Stufe höher: 4. Playoff-Halbfinale. Am 25. April 1999 wissen nur Rhöndorfs Mäzen Franz-Ludwig Solzbacher und wenige Eingeweihte, dass es das letzte Lokalderby sein könnte. Bonn gewinnt dank eines gewissen „Gunmans“ (Hurl Beechum), der 11 Distanztreffer im Rhöndorfer Korb am Menzenberg versenkt. Danach gibt Solzbacher bekannt, dass Rhöndorfs Erstligalizenz nach Frankfurt transferiert werde. In der Mainmetropole lebt das Rhöndorfer Erbe heute erfolgreich fort: Fraport Skyliners Frankfurt. Kein Zufall, dass Spiele gegen Frankfurt im Telekom Dome seit Jahren besonders gut besucht sind. Doch die großen direkten Basketball-Schlachten zwischen Bonn und dem Adenauer-Dorf sind seit 1999 Geschichte.

Die Fans der Telekom Baskets Bonn

Dann dauerte es etwas, bis die einstigen Kontrahenten über den Tellerrand schauten. Rhöndorf kooperierte in der Jugendarbeit zunächst mit dem neuen Erstligisten RheinEnergy Cologne. Rund sieben Jahre nach dem letzten Lokalderby beschließen die Verantwortlichen von Bonn und Rhöndorf schließlich eine umfangreiche Zusammenarbeit im Jugend-Bundesligabereich.

Aus Rivalen werden Partner

Michael Laufer hatte 1995 – mit der Erfahrung aus vier Meistertiteln mit dem BSC Saturn Köln – Rhöndorf als Cheftrainer in die Bundesliga geführt, heute leitet er das Basketball-Internat Hagerhof in Bad Honnef. Er erinnert sich: „Es dauerte schon einige Zeit, bis aus der sportlichen Feindschaft erst eine Zusammenarbeit und jetzt eine echte und glaubwürdige Partnerschaft entstanden ist. Die alten Wunden waren bei vielen Bonnern und Rhöndorfern aus den Lokalderby-Zeiten noch lange spürbar. Inzwischen haben wir alle verstanden, dass wir mit unseren begrenzten finanziellen Mitteln keine Erfolgschance gegen die großen Drei der Liga (Berlin, Bamberg, München/Anm. d. Red.) haben, wenn wir nicht unsere Ressourcen in der Region bündeln. Aktuell klappt das sehr gut, wir sind auf dem richtigen Weg.“

Vorzuweisen gab es auch schon etwas: 2007 und 2008 schaffte es das Team Bonn/Rhöndorf in der U19-Bundesliga (NBBL) ins Top Four und damit unter die vier besten Mannschaften Deutschlands. Fabian Thülig und Jonas Wohlfarth-Bottermann reiften da zur Bundesligareife und später auch Florian Koch. Alles klassische Eigengewächse. 2014 qualifizierte sich schließlich das gemeinsame U16-Bundesligateam (JBBL) ebenfalls für das Top Four.

Dass die Wunden von einst tatsächlich ausgeheilt sind, beweist die nächste Personalie: Vor zwei Jahren stellte Wiedlich Wichterich, langjähriger Geschäftsführer der Rhöndorfer, als Sport-Manager der Telekom Baskets ein, in dessen sportlicher Vita jedoch auch der Godesberger TV steht.
Wenn am kommenden Sonntag im Telekom Dome der Familien-Tag und das Legenden-Spiel anlässlich des 20. Baskets-Geburtstages steigen, wird – 18 Jahre danach – auch nochmal das legendäre Lokalderby vom 6. April 1997 zu sehen sein.

1999