Baskets vor Rekordkulisse

In der damals neuen Kölnarena will man ein Ausrufungszeichen setzen und das Fanpotenzial testen: Das Hauptrundenspiel „Bonn-Berlin“ steigt am 8. März 2000 rheinabwärts. Die Baskets verlieren das Match, haben aber einen Zuschauer-Europarekord (18.506) aufgestellt. 

Ein Großevent „im NBA-Format“

Vorsorglich hatten die Telekom Baskets Bonn ihre Fans im Internet befragt: Mit einer deutlichen 82 Prozent-„Ja“-Quote hatten die dafür gestimmt, einmal für ein Spitzenspiel die Kölnarena „zu testen“. Das hörte sich lässig an und offenbarte weder die notwendigen Anstrengungen dazu noch die wahren Absichten: Denn die Bonner Clubverantwortlichen wollten die hiesigen Kommunalpolitiker mit einer großen Zuschauerzahl beeindrucken und anspornen, die in Reden „Bonnarena“ genannte neue Baskets-Halle nun endlich anzugehen. So wurde das Meisterschaftsspiel Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin, seit 1997 ein Klassiker der Liga, kurzerhand in die 1998 eröffnete Kölnarena verlegt.

Bereits am Vorabend des 7. April 2000 konnten sich die Baskets die Hände reiben. Damit hatten sie nicht gerechnet und so viele Zuschauer schon gar nicht angestrebt. Die Kölnarena war für das Bundesligaspiel „Bonn – Berlin“ ausverkauft. Die Zahl „18.506“ bedeutete nicht nur einen neuen deutschen Indoor-Zuschauerrekord im Basketball, sondern Europarekord. Der für Basketball im Stadion („Freiluftrekord“) lag jedoch weiter bei 80.000, aufgestellt 1968 im Athener Olympiastadion zum Europacup-Finale zwischen AEK Athen und Slavia Prag.

Der Umzug mit Deckenfahnen und Banden und Vielem mehr aus der kleinen, 3500 Zuschauer fassenden Hardtberghalle in die fünfmal so große Kölnarena hatte die aufstrebenden Baskets Tage zuvor in Atem gehalten. Der General-Anzeiger druckte damals täglich eine Ticketuhr ab, auf der die Zahl noch vorhandener Eintrittskarten zu sehen war. Die Ticketpreise waren im Vergleich zu Kölner Eishockey-Verhältnissen bewusst niedrig gehalten worden.

Nach fünf Tagen Vorverkauf war bereits der von Alba Berlin gehaltene deutsche Basketball-Zuschauerrekord (9000) gebrochen. Dennoch sollte es erstmals für ein Bonn-Berlin-Spiel „keinen Engpass für Eintrittskarten geben“, so die Baskets in einer Pressemitteilung. Die FAZ urteilte: „Was für eine Fehleinschätzung: Vergeblich versuchte beispielsweise der Berliner Manager Robert Mayer Tage vor dem Spiel noch einige Tickets zu erwerben. »Stellen Sie sich vor«, berichtete der Mann etwas verstört: »Es gibt keine mehr.«“ Vor dem Anpfiff blühte der Schwarzmarkt vor der Kölnarena.

Das Spiel ging damals zwar mit 64:72 verloren, aber die Baskets waren trotzdem selten glücklicher. Bundesweit hatten die Medien über das Event gejubelt und den deutschen Basketball einen „schlummernden Riesen“ genannt. Nach dem Schlusspfiff sagte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich verneige mich vor unserem Ameisenstaat, wie der das gestemmt hat.“ Seitdem werden die vielen Baskets-Helfer gelegentlich „Ameisen“ genannt.

Akribisch hatten die Baskets den Ticketverkauf für das Großevent ausgewertet und zufriedenstellend registriert, dass rund 12.000 der 18.500 Eintrittskarten im Baskets-Einzugsbereich zwischen Bad Honnef, Siegburg und Rheinbach gekauft worden waren. Das ließ hoffen für den sportpolitischen Kampf für eine neue, größere Halle. Wirtschaftlich verlief das Experiment dagegen ernüchternd. Wiedlich heute: „Damals haben wir viel gelernt für den späteren Bau unserer eigenen Halle.“ Doch daraus wurde erstmal lange nichts. Das Event ein Fehlschuss in eigener Sache? Die Debatte ging zwar weiter, aber ohne Taten. Wurde schon nicht die heimische Kommunalpolitik für den Basketball wachgeküsst, gelang das den Telekom Baskets – unbeabsichtigt – für den Kölner Korbball.

Unternehmen und Mäzene unternahmen daraufhin einen großen Anlauf, wieder an die glorreichen Zeiten des mehrfachen Deutschen Meisters BSC Saturn Köln anzuknüpfen. Der Erstliga-Wildcard im Juni 2001 folgte am 3. Oktober 2001 das Auftaktspiel zur ersten Basketball-Profisaison in Köln seit 1984 – Gegner waren ausgerechnet die Telekom Baskets. Unter Predrag Krunic, mit 33 Jahren damals der jüngste Headcoach der Liga, erteilte Bonn den Kölnern unter Erfolgscoach Svetislav Pesic mit 85:66 vor 15.000 Fans in der Kölnarena eine regelrechte Lehrstunde. Später gewann Köln einmal die Meisterschaft (2006) und dreimal den Pokal (2004, 2005, 2007).

Im Juli 2009 reichte der zunächst wirtschaftlich stark aufgestellte Verein, der mehrfach seinen Namen – RheinEnergy Cologne, RheinEnergie Cologne, RheinEnergie Köln, Köln 99ers – geändert hatte und letztlich im kleinen EnergyDome (3000 Zuschauer) spielte, den Insolvenzantrag ein. Seitdem existiert in Köln kein Profi-Basketball mehr.

2000