Das dritte reale Baskets-Märchen

Die Saison 2007/2008 steht ganz im Zeichen der Hallen-Fertigstellung.  Zahlreiche Bau-Nebenkosten versuchen die Baskets aus Bordmitteln zu stemmen, um die Kredithöhe in Grenzen zu halten. Entsprechend eng ist der Teametat geschnürt. Dennoch geschieht die Sensation.Seitdem Koch am sportlichen Baskets-Ruder sitzt und Andreas Boettcher als Sport-Manager fungiert, herrscht wieder Ruhe im Teambereich. Der Club kann in stürmischen Hallenbau-Zeiten auch keine weitere Front gebrauchen. Aber Koch hat ob des kleinen Etats keinen leichten. Einziger Vorteil: Koch hat noch nicht die Deutschenquote von heute vor der Brust.

Job Ronnie Burrell und der Ur-Rhöndorfer Johannes Strasser von RheinEnergie Köln sind die einzigen Neuverpflichtungen, die die Fans kennen. Weitere sind: Jeremiah Davis (1. Liga Polen), Moussa Diagne, ein Rookie von der Furman University (USA), Patrick Flomo vom Zweitligisten TuS Herten, Senior-Center Bernd Kruel (Skyliners Frankfurt), Winsome Frazier (1. Liga Ungarn). Weiter dabei: Bowler und natürlich Artur Kolodziejski; das einstige Eigengewächs war 2005/06 zurückgekehrt. Auch Fabian Thülig, das Talent aus der eigenen Jugend, schnuppert jetzt Erstliga-Luft. Mitten in der Saison verletzt sich Jason Conley, für ihn wird Edward Basden nachverpflichtet.

Die Baskets werden Hauptrunden-Siebter, sind das 11. Mal in 12 Erstliga-Jahren für die Playoffs qualifiziert. Was danach passiert, lässt sich nicht besser beschreiben als mit Socés legendärem Vier-Worte-Satz über die „Virus-zum-Vize-Saison“: „Wir haben Wunder gemacht.“ Headcoach Koch landet im 3. Viertelfinale (20. Mai) gegen die Artland Dragons einen 77:76-Auswärtssieg. Der letzte Spielzug zwischen Bowler und Davis ist bei YouTube verewigt und tritt eine Begeisterungswelle wie 1999 in Bonn los.

Die Euphorie erreicht auch die Hallen-Baustelle. „Eigentlich“ ist der Telekom Dome ja fertig, heißt es. Für eine Finalserie könnte man ihn notfalls und irgendwie einsatzbereit bekommen, aber wer hält eine Finalteilnahme bei den vielen Verletzten schon für wahrscheinlich? Das Unwahrscheinliche ist am Abend des 5. Juni 2008 Realität: Bonn bezwingt Frankfurt 3:2 (72:75, 73:57, 48:58, 79:60, 75:74). Stadt, Polizei und Baskets arbeiten Hand in Hand: Der Telekom Dome, binnen Minuten sind 6000 Tickets verkauft, wird spontan mit dem 1. Finale BonBerlin eingeweiht. Was für ein aufregender Tag. Als Fans, Sponsoren und Baskets ihr neues Zuhause betreten, rollen Freudentränen. Und direkt nach dem Anpfiff steht fest: neue Halle, alte Stimmung – nur (noch) wesentlich lauter. Der Baskets-Sieg (78:69) über Berlin verkommt vor lauter Staunen fast zur Nebensache.

Am 17. Juni 2008 feiert Alba Berlin seine achte und bis heute letzte Meisterschaft – ausgerechnet im neuen Telekom Dome. Die Baskets erhalten „Silber“ um den Hals gehängt. Das vierte seit 1997.

2007